Die drei Tugenden des Hauses Aad Fock
Die Fockbeker nannten sie nicht Tugenden. Sie nannten sie dat, wat een Aadfock deit: das, was ein Aad Fock tut. Es sind drei Dinge, und jede Geschichte in den Fockbeker Blättern belegt mindestens eines davon.
- Unternehmensdrang
- Ein Aad Fock wartet nicht, bis jemand anders anfängt. Aus einem Aal wird ein Handel, aus einer Not ein Geschäft, aus einem gestrandeten Boot ein Anfang. Der Prüfstein: Wer nach dem Sturm zuerst das Boot flickt, ist ein Aad Fock. Die Schattenseite, die in der Familie niemand bestreitet: Ein Aad Fock fängt gern drei Dinge gleichzeitig an.
- Witz
- Nicht Spott. Witz im Sinn des Hauses ist die Fähigkeit, in einer Lage das Komische zu sehen und es so auszusprechen, dass alle mitlachen können, auch die, über die man lachen könnte. Adriaan hat die Fockbeker am See nicht ausgelacht. Er hat ihnen einen Satz geschenkt, mit dem sie über sich selbst lachen konnten. Der Prüfstein: Ein Aad Fock lacht zuerst über sich. Die Schattenseite: Er nimmt manchmal die falsche Sache nicht ernst genug.
- Loyalität
- Ein Aad Fock bleibt. Bei Leuten, Orten und Zusagen, auch wenn Bleiben teurer ist als Gehen. Adriaan hätte nach dem Gespött der Rendsburger Kaufleute überall hingehen können. Er blieb in Fockbek. Wiebke Aad Fock hat es 1751 in einem Satz gesagt, der in der Familie bis heute gilt: Ik gah nich, ik bün de Aadfock. Der Prüfstein: Wer nach dem Gespött noch am selben Tisch sitzt, ist ein Aad Fock. Die Schattenseite: Er bleibt gelegentlich länger, als gut für ihn ist.
Der Wahlspruch
„De Aal swemmt wieder.“
Plattdeutsch. Wörtlich: Der Aal schwimmt wieder. Gemeint: Was ersäuft werden soll, lebt.
Der Satz fiel am Fockbeker See, als der zum Tod durch Ertränken verurteilte Aal davonschwamm. Adriaan Focke sagte ihn, die Fockbeker behielten ihn, und seit 1667 steht er auf dem Spruchband des Wappens. Er ist zugleich Trost und Anweisung: Man kann versuchen, einen Aad Fock zu ersäufen, mit Spott, mit Schulden, mit Hochwasser. Er schwimmt weiter.
Wie der Name weitergegeben wird
Der Name geht in jeder Generation an das älteste Kind, das ihn annehmen will. Nicht an den ältesten Sohn. Diese Regel hat Wiebke Aad Fock begründet, als sie 1740 den Namen übernahm, weil ihr älterer Bruder ihn nicht wollte. Wer den Namen annimmt, verpflichtet sich auf die drei Dinge. Wer sie nicht will, lässt den Namen. Das ist in der Familie kein Makel, es kam mehrmals vor, und es steht so in den Blättern.